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Einblicke ehemaliger Interns: Rückblicke: Erfahrungen, Begegnungen und Perspektiven

Zusammenfassung

Unsere ehemaligen Interns blicken auf ihre Zeit bei Equal Rights Beyond Borders zurück und erzählen, welche Erfahrungen sie gesammelt haben, was sie bewegt hat und wie ihr Weg danach weiterging. Wie hast du deine Zeit bei Equal Rights Beyond Borders erlebt? Was hat dich geprägt und was nimmst du aus dieser Erfahrung mit? Lest ihre persönlichen Einblicke!
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Erbb Hintergrund 16x9. Unsere Visual Policy

 Nerea - Referendarin in Chios und Athen

Meine Zeit bei Equal Rights Beyond Borders im Flüchtlingscamp Vial und dem Athenas Women Center hat mich persönlich geprägt und leitet meinen professionellen Blick bis heute - bei der Integrationsbeauftragten des Bundes. Ich habe selbst erlebt, was es heißt, wenn immer mehr formale Verfahren die Menschen davon abhalten, dass ihr Schutzbedarf geprüft wird, wenn Aufnahmepolitik nicht der Aufnahme, sondern der Abschreckung dient, wenn der Zugang zu Rechtsberatung und zu Recht keine Selbstverständlichkeit ist, sondern jeden Tag erkämpft werden muss, wenn Kinder auch in Europa in Müllbergen spielen, wenn "falsche" Geschichten aus Angst und dem Drang zu überleben entstehen, wenn Frauen und queere Personen nirgends sicher sind und wenn Menschen gezwungen sind, das Unvorstellbare zu überleben - sie tun dies auf unvorstellbare und nicht nachvollziehbare Weise. Gerade in meiner Arbeit, wenn Bilder bedient werden, die nur auf einem Blatt Papier und in einer vorstellbaren Welt Sinn machen, habe ich die Gesichter und Geschichten aus Chios vor Augen: die Kinder aus dem Camp zwischen den Müllbergen, unbegleitete Minderjährige in Holzboxen - sogenannten "Safe Spaces" -, ein kleines Mädchen, deren Hüften immer wieder brechen, weil sie nicht gut laufen kann und der Boden übersät ist mit Scherben und Zeltdrähten, eine junger Mann, der jede Nacht draußen auf der Straße schläft, weil er Angst hat, im Lager Opfer einer Gewalttat zu werden, ein älterer Herr, der mit Elektroshocks im Genitalbereich gefoltert wurde und den die Asylbehörde auffordert, sich auszuziehen, Frauen und Kinder, die nachts nicht auf die Toilette gehen, weil sie Angst haben, vergewaltigt zu werden, eine schwangere Frau mit Risikoschwangerschaft, die am selben Tag der Geburt mit dem Helikopter aus dem Zeltlager abgeholt und unmittelbar nach der Geburt dorthin wieder zurückgebracht wird, die vielen getrennten Familienmitglieder und gescheiterten Familienzusammenführungsfälle und das Warten. Warten auf Trinken, auf Essen, auf die Gesundheitsprüfung, auf Sanitärartikel, auf die Anhörung, auf die Kleiderausgabe, auf die Überfahrt auf das Festland - häufig besteht der Tag aus Schlangestehen und Warten, und das über Monate, sogar Jahre hinweg. 

Meine Zeit bei Equal Rights Beyond Borders hat mir geholfen das Papier mit Leben und die Paragraphen mit Geschichten zu füllen und ich versuche ihnen ein klein wenig gerecht zu werden.

Anne – Referendarin in Athen Juli-September 2024

Ich habe im Sommer 2024 als Referendarin bei Equal Rights Beyond Borders im Büro in Athen gearbeitet – nur ein paar Wochen nach dem Inkrafttreten der GEAS-Reform. Die GEAS-Reform hat einige Ausgestaltungen des Asylverfahrens, die in Griechenland zu der Zeit schon gängige Praxis waren, zum europaweiten Standard erhoben. Das war damals und ist weiterhin sehr bedrückend. Denn durch die Arbeit in Griechenland konnte ich schon sehr deutlich sehen, was dieses neue System für die Schutzsuchenden bedeutet. Die Personen, die bei uns Unterstützung suchten, berichteten häufig von ihren Erlebnissen in den Closed Controlled Access Centres auf den griechischen Inseln. Diese Erlebnisse waren nicht selten geprägt von unwürdigen Lebensbedingungen und menschenverachtendem Verhalten von den dort tätigen Beamten. Dass das Einsperren von Asylsuchenden in solche haftähnlichen Zentren nun der Standard in Europa werden soll, widerspricht den Grundwerten der EU und fundamentalen Menschenrechten. Mir haben sich einerseits die Berichte aus den CCACs eingeprägt, andererseits aber auch, dass es ein sehr starkes Netz an engagierten Organisationen, Gruppen und Community Centres gab, die sich dafür eingesetzt haben, dass die schutzsuchenden Menschen ankommen und ihre Rechte einfordern können. Daher ziehe ich aus dieser Zeit immer noch viel Motivation dafür, die aktuellen besorgniserregenden Entwicklungen nicht einfach hinzunehmen. Gerade weil das neue GEAS die Anwendung asylrechtlicher Regelungen zum Teil noch komplizierter macht und scharfe Einschnitte in das Recht auf Asyl vornimmt, lohnt sich der Einsatz für Zugang zum Recht für Alle. Um es in den Worten von Equal Rights zu sagen: Jetzt erst recht!

Ann Katrin, Referendarin in Athen 2022

Meine Zeit bei Equal Rights ist für mich vor allem durch die Menschen und die vielen wertvollen Begegnungen geprägt. Gleich in meiner ersten Woche als Freiwillige in Athen fand das jährliche Teamtreffen statt. Dadurch hatte ich die besondere Gelegenheit, die Kolleg:innen aus allen vier Büros kennenzulernen. Ich wurde sehr herzlich aufgenommen und merkte schnell, dass Equal Rights eine Gemeinschaft aus klugen und engagierten Menschen ist, die sich hochmotiviert für die Rechte von Schutzsuchenden einsetzt.

Schon vor meiner Zeit in Athen hatte ich Asylsuchende in Deutschland ehrenamtlich beraten. In Griechenland wurde mir jedoch noch einmal auf andere Weise bewusst, unter welchem politischen und rechtlichen Druck sowohl Schutzsuchende als auch die sie unterstützenden Organisationen stehen. 2022 wurde der rechtliche Rahmen für NGOs in Griechenland weiter eingeschränkt, durch Verschärfung des NGO- Registers und der zunehmenden Kriminalisierung von Helfer:innen und Menschenrechtsverteidiger:innen. Mich hat beeindruckt, dass sich meine Kolleg:innen davon nicht entmutigen ließen, sondern gemeinsam Strategien entwickelten, um auch unter schwierigen Bedingungen bestmöglich weiterzumachen.

Besonders überzeugt hat mich die Verbindung von individueller Rechtsberatung und struktureller Arbeit. Ich konnte Mandant.innen bei Familienzusammenführungsverfahren unterstützen, an Beratungsgesprächen teilnehmen und zu Herkunftsländerinformationen recherchieren. Gleichzeitig erhielt ich Einblicke in strategisch geführte Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, die über den einzelnen Fall hinaus Veränderungen für viele Betroffene anstoßen können. Auch die Erfahrungen aus der unmittelbaren Arbeit an den europäischen Außengrenzen flossen in Berichte und rechtspolitische Arbeit ein. Diese unterschiedlichen Ebenen zusammenzudenken: individuelle Unterstützung, strategische Prozessführung, wissenschaftliche Dokumentation und politisches Engagement, habe ich als besondere Stärke von Equal Rights erlebt.

Meine Zeit bei Equal Rights hat mich darin bestärkt, mich langfristig an der Schnittstelle von Migrationsrecht und Menschenrechtsschutz zu engagieren. Sie hat mir zugleich sehr deutlich vor Augen geführt, wie groß die Lücke zwischen rechtlichen Garantien und ihrer tatsächlichen Umsetzung sein kann. Rechte entfalten nur dann Wirkung, wenn Menschen Zugang zu Beratung und Gerichten erhalten und Rechtsverletzungen konsequent dokumentiert und öffentlich gemacht werden.

Die Erfahrungen in Griechenland haben bei mir deshalb nicht nur Motivation, sondern auch Frustration über die politische Untätigkeit gegenüber systematischen Menschenrechtsverletzungen an den europäischen Außengrenzen ausgelöst. Nach meiner Rückkehr wandte ich mich in einem ausführlichen Schreiben an Mitglieder des Deutschen Bundestages, schilderte die beobachteten strukturellen Probleme und forderte politisches Handeln ein. Dass darauf kaum eine Reaktion erfolgte, war ernüchternd, hat meinen Wunsch nach weiterem Engagement aber nicht abgeschwächt.

Die Zeit in Athen beeinflusste auch meinen weiteren beruflichen Weg. Ich vertiefte meine Kenntnisse anschließend in einem LL.M. im internationalen Menschenrechtsschutz und beschäftigte mich, inspiriert durch meine Kolleg:innen von Equal Rights, in meiner Masterarbeit mit Restitution für Opfer illegaler Pushbacks. Danach arbeitete ich weiter in der Asylverfahrensberatung und im Migrationsrecht. Geblieben ist vor allem die Überzeugung, dass individuelle Rechtsberatung und strukturelle Veränderung zusammengedacht werden müssen und die Erinnerung an ein Team, das genau das mit großer Beharrlichkeit und Menschlichkeit tut.

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Equal Rights Beyond Borders besteht aus zwei separaten juristischen Personen, die jeweils in Griechenland und Deutschland eingetragen sind.

Griechenland
Gemeinnütziges Unternehmen (ΑΜΚΕ)
Akadimias 84, 10678, Athens
+30 210 3803067, athens@equal-rights.org

Steuernummer: GR 996887928, Finanzamt: KEFODE Attikis
Registernummer (GEMI): 151850501000
NGO-Registernummer: ID 3058

Deutschland
Gemeinnütziger Verein (e.V.)
Gerichtstraße 23, 13347 Berlin
info@equal-rights.org

Amtsgericht Berlin-Charlottenburg
VR 35583 B